Was macht Symrise „erfolgreich anders“?

Symrise hat sich hohe Ziele gesetzt, wenn es um die Geschäftsentwicklung geht: Das Unternehmen will auch in Zukunft schneller als der Markt und dazu profitabel wachsen. Dafür verfolgt es eine Strategie, die auf drei Säulen ruht: Der Konzern soll wachsen, die eigene Effizienz steigern und das Portfolio geschickt erweitern, sagt der Vorstandsvorsitzende Dr. Heinz-Jürgen Bertram im Interview. Möglich ist das nur, wenn Symrise zugleich an den richtigen Stellen neue Wege geht.

Dr. Heinz-Jürgen Bertram

Der promovierte Chemiker arbeitet seit 1990 im Unternehmen – damals startete er in der Forschung bei Haarmann & Reimer. Seit dem Börsengang im Jahr 2006 ist Heinz-Jürgen Bertram Mitglied des Vorstands, zunächst zuständig für Flavor & Nutrition. Im August 2009 wurde er Vorsitzender des Vorstands. Sein Vertrag wurde erneut vorzeitig bis ins Jahr 2022 verlängert.

Herr Dr. Bertram, im Jahr 2016 hat Symrise den Umsatz auf 2,9 Mrd. € gesteigert und das EBITDAN auf 625 Mio. € verbessert. Sie sind zudem wieder stärker als der Markt gewachsen. Wo handelt Symrise anders als die Wettbewerber, um so erfolgreich sein zu können?

Wir haben im Jahr 2009 eine Drei-Säulen-Strategie konzipiert, die wir seitdem konsequent verfolgen und stetig weiterentwickeln. Im Mittelpunkt stehen die drei Bereiche „Wachstum“, „Effizienz“ und „Portfolio“, die wir jeweils für sich bearbeiten, aber immer zusammen mit den anderen denken. Gleichzeitig überlegen wir bei allen Entscheidungen, wie wir uns durch besondere Konzepte, Akquisitionen oder Innovationen vom Wettbewerb abheben können. Das heißt auch, dass wir uns viel außerhalb des klassischen Fragrance- und Flavor-Marktes umschauen.

Blicken wir zunächst auf den Aspekt des Wachstums. Wie positioniert sich Symrise hier?

Wir sind in den vergangenen sechs Jahren etwa zweimal so schnell gewachsen wie der für uns relevante Markt. Das ist nur möglich, weil wir auf verschiedenen Ebenen agieren: Wichtig ist uns zunächst einmal organisches Wachstum, indem wir unsere angestammten Geschäftsfelder mit Innovationen und neuen Produkten ausbauen und zum Teil neu definieren. Ein Beispiel dafür – neben vielen anderen – ist der Fragrance-Bereich, in dem wir uns neu aufstellen. Wir setzen auf unsere traditionellen Stärken in der Konzeption neuer Düfte, greifen auf unsere breite Produktbasis zurück und achten gleichzeitig auf die Verwendung nachhaltiger Rohstoffe. Im Zuge der organisatorischen Weiterentwicklung im Jahr 2016 haben wir den Bereich Fragrance in vier globale Business Units unterteilt: Fine Fragrances, Beauty Care, Home Care und Oral Care.

Das organische Wachstum allein wird für Ihre Ziele nicht ausreichen. An welchen Stellen greifen Sie darüber hinaus an?

Unser Fokus liegt auf organischem Wachstum. Allerdings haben wir in den vergangenen Jahren wichtige transformatorische Akquisitionen getätigt – Käufe also, die auch unser Portfolio und unsere Struktur entscheidend verändert haben. Mit dem Erwerb von Diana etwa haben wir unsere Produktpalette in eine neue Dimension geführt. Wir engagieren uns nun im Markt für Heimtiernahrung und haben den Bereich Nutrition maßgeblich ausgebaut. Hier sehen wir auch ein Beispiel dafür, wie wir neben dem Wachstum auch eine weitere Säule unserer Strategie erfolgreich umsetzen: Mit Diana haben wir die Idee, unser Portfolio in andere Bereiche zu erweitern, perfekt umgesetzt. Mittlerweile erwirtschaften wir rund ein Drittel unseres Umsatzes außerhalb der klassischen Bereiche der Aromen und Düfte.

2016 hat Symrise Renessenz als Teil der Pinova Holdings erworben. Wie läuft die Integration des US-amerikanischen Unternehmens, das Inhaltsstoffe für Duftstoffe und Mundpflegeprodukte sowie für Lebensmittel und Getränke herstellt?

Renessenz ist bereits vollständig in den Symrise Geschäftsbereich Aroma Molecules des Segments Scent & Care integriert. Damit haben wir unser Inhaltsstoffe-Portfolio weiter geschärft. Wir konzentrieren uns – wie in vielen Geschäftsfeldern – auf Lösungen, die auf Materialien aus erneuerbaren Quellen basieren. Dafür ist das Unternehmen ein starker Partner. Zu der klaren Definition des Portfolios gehört auch, dass wir die technischen Anwendungen außerhalb unseres Kerngeschäfts, die wir im Zuge der Akquisition erworben haben, wieder veräußert haben. Wir werden mit dem neuen Eigentümer weiterhin zusammenarbeiten und uns unter anderem gegenseitig mit strategisch wichtigen Rohstoffen beliefern.

2020
sollen alle strategisch wichtigen Rohstoffe nachhaltig erzeugt werden.

In den vergangenen Jahren haben Sie gesagt, dass Sie vor allem in den Emerging Markets wachsen wollten. Wie haben Sie das bisher umgesetzt?

Im Jahr 2016 haben wir hier ein Wachstum von 15 % erreicht. Mittelfristig wollen wir auf einen Umsatzanteil von mehr als 50 % kommen. Dafür arbeiten wir mit Volldampf an Innovationen für diese Regionen und entwickeln unsere Infrastruktur stetig weiter. So werden wir im Frühsommer 2017 unser neues Entwicklungscenter in Singapur einweihen – eine wichtige Drehscheibe für Südostasien. In China werden wir mit dem Bau eines weiteren Standortes beginnen und in Iran haben wir bereits im vergangenen Jahr eine eigene Gesellschaft gegründet. Damit nutzen wir die Wachstumschancen, die uns diese aufstrebenden Regionen bieten.

Schauen wir auf die dritte Säule der Strategie, die Effizienz. Konnten Sie diese ebenfalls steigern?

In den vergangenen Jahren sind wir immer effizienter geworden. Mit mehreren Programmen in unseren Geschäftsbereichen haben wir die Wertschöpfung gesteigert, indem wir Abläufe verbessert, Lieferketten optimiert und bis in die kleinsten Prozesse in unseren Werken geschaut haben. In der Forschung nutzen wir für verschiedene Materialien und die daraus entstehenden Produkte immer stärker Technologieplattformen über das gesamte Unternehmen hinweg. Gleichzeitig finden wir viel öfter Zugang zu frühen Entwicklungsstadien in Innovationsprozessen beim Kunden, was unser Geschäft ebenfalls antreibt. Zudem optimieren wir fortwährend unser Rohstoffportfolio, wenn es um nachhaltige Beschaffung geht.

»Unser Ziel ist es, für die Bedürfnisse in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden innovative Lösungen zu schaffen.

Unser Weg dorthin führt über vorausschauendes und verantwortungsvolles Handeln bis hin zu zukunftsfähigen Technologien und ressourcenschonenden Prozessen.

Mit Leidenschaft und Pioniergeist erfüllen unsere Mitarbeiter das Symrise Versprechen „always inspiring more…“ und fördern die nachhaltige Entwicklung unseres Unternehmens und des gesellschaftlichen Umfelds.«

Börsengang als erster Schritt zum ErfolgAm 11. Dezember 2006 ging Symrise an die Frankfurter Wertpapierbörse. Der Emissionspreis lag bei 17,25 €. Das Unternehmen beschäftigte damals knapp 5.000 Mitarbeiter und machte einen Umsatz von rund 1,2 Mrd. €. Symrise war dreieinhalb Jahre zuvor, im Februar 2003, aus einer Fusion der beiden Holzmindener Firmen Haarmann & Reimer und Dragoco hervorgegangen, die im harten Wettbewerb miteinander standen. Durch den Zusammenschluss entstand der damals weltweit viertgrößte Hersteller von Duft- und Geschmacksstoffen, der auf einen Marktanteil von knapp 10 % kam.

Die Nachhaltigkeit ist über alle Bereiche hinweg ein großes Thema für Symrise. Was machen Sie hier anders, um sich im harten Wettbewerb gut behaupten zu können?

Ein gutes Beispiel ist unsere Rohstoffversorgung. Wenn wir diese gut aufstellen, profitieren die Umwelt, die Gesellschaft und wir als Unternehmen zugleich. Eines unserer großen Ziele ist es, dass im Jahr 2020 alle unsere strategisch wichtigen Rohstoffe nachhaltig erzeugt werden. Das erreichen wir durch mehrere Herangehensweisen. Eine davon ist, dass wir den Anbau und die Verarbeitung wichtiger Rohstoffe kontrollieren. Wir können so die Verfügbarkeit der qualitativ hochwertigen Materialien sichern und gleichzeitig den nachhaltigen Anbau gewährleisten.

Haben Sie dafür einige Beispiele?

Wir engagieren uns – und das Prinzip erweitern wir ständig – oft direkt in den Gebieten, aus denen die Rohstoffe stammen, zum Beispiel im Bereich der Vanille aus Madagaskar, Duftstoffen aus der Amazonas-Region, Bananen aus Ecuador oder auch Zwiebeln aus Deutschland. Wir finden es zudem wichtig, uns an allen unseren Standorten und bei den Produzenten für den Schutz der Umwelt und dabei auch besonders den Erhalt der Biodiversität einzusetzen: Nur wenn die Vielfalt der Natur erhalten bleibt, ist die Welt im Gleichgewicht – und natürlich profitieren auch wir, unsere Kunden und die Verbraucher von der Leistung der Natur, die unzählige Düfte und Geschmäcker hervorbringt.

Wo kann es in den kommenden Jahren für Symrise hingehen?

Nach unserem rasanten Aufstieg zu einem führenden Unternehmen der Branche in den vergangenen sieben Jahren kann unser Ziel nur sein, diese Position zu festigen und auszubauen. Dazu passt natürlich unser Fokus auf Wachstum, das wir aber nicht übereilt, sondern nur mit einer durchdachten und vor allem nachhaltigen Strategie erreichen wollen. Ein Aspekt davon ist, dass wir die große Bandbreite unserer unterschiedlichen Kompetenzen noch viel stärker vernetzen wollen, um Synergien zu erreichen. Mit neuen Produkten, die so entstehen, können wir ganz neue Kundengruppen ansprechen. Dafür ist zudem wichtig, dass wir unseren Forschern und Entwicklern viel Raum für Innovationen lassen, die darüber hinaus immer öfter Methoden der Grünen Chemie und der Biotechnologie in der Produktentwicklung anwenden. Gleichzeitig muss die Forschung perfekt auf die Märkte abgestimmt sein. Dafür sorgt wieder – und hier schließt sich der Kreis – die enge Vernetzung im Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Neues entsteht heutzutage auch und vor allem, weil wir die Kunden und Verbraucher besonders gut kennen. Hier ist Symrise sehr stark.

Im Jahr 2016 haben Sie auch das Jubiläum des Börsengangs gefeiert, der im Jahr 2006 stattfand. Wie beurteilen Sie diese zehn Jahre?

Als eine Erfolgsgeschichte. Wir haben als Unternehmen sehr gute Arbeit geleistet und gleichzeitig die Instrumente des Finanzmarktes sehr gut genutzt. Auf diese Weise haben wir unseren Umsatz, unseren Gewinn und den Jahresüberschuss in dieser Zeit mehr als verdoppelt und den Unternehmenswert stark gesteigert. Davon haben auch unsere Aktionäre profitiert. Auf diesem Erfolg wollen wir uns aber nicht ausruhen, sondern weitermachen auf unserem nachhaltigen Weg.